Wie korrigierst du deine eigenen Texte?

Lies in getrennten Durchgängen Korrektur, jeder sucht nach einer Art Problem, und verändere vor dem letzten Durchgang, wie der Text aussieht, damit du nicht mehr liest, was du schreiben wolltest. Vier kurze Durchgänge dauern bei einer E-Mail ein paar Minuten und finden weit mehr als ein langsames, sorgfältiges Lesen.

Warum einmal sorgfältig lesen nicht reicht

Wenn du deinen eigenen Text noch einmal liest, weißt du schon, was dastehen soll. Dein Gedächtnis ergänzt ein fehlendes Wort, überspringt ein doppeltes und glättet einen Tippfehler, bevor deine Augen ihn melden. Langsamer lesen hilft weniger, als man denkt. Anders lesen hilft viel.

Die Lösung: Gib jedem Durchgang genau eine Aufgabe. Niemand kann Argumentation, Satzrhythmus und Rechtschreibung gleichzeitig prüfen, also nimm sie nacheinander dran, vom größten Problem zum kleinsten. Es lohnt sich nicht, einen Satz zu polieren, den du gleich streichst.

Durchgang 1: Ist die Kernaussage klar?

Lies nur den ersten Satz jedes Absatzes. Zusammen sollten sie die ganze Geschichte erzählen. Steht deine eigentliche Bitte ganz unten, hol sie nach oben. Hat ein Absatz keinen klaren ersten Satz, hat er wahrscheinlich auch keinen klaren Zweck.

Vorher

Hallo Jonas, ich hoffe, deine Woche läuft gut. Ich habe mir die Zahlen vom letzten Quartal angesehen und mit Priya darüber gesprochen. Es gibt ein paar Punkte, die wir vor dem Meeting am Freitag anschauen sollten. Könntest du mir bis Donnerstag die aktualisierte Prognose schicken?

Nachher

Hallo Jonas, könntest du mir bis Donnerstag die aktualisierte Prognose schicken? Ich möchte sie vor dem Meeting am Freitag mit Priya durchgehen, weil die Zahlen vom letzten Quartal ein paar Fragen aufwerfen.

Dieselben Fakten, dieselbe Höflichkeit. Die zweite Fassung sagt Jonas nur sofort, was du brauchst, bevor er entscheidet, ob er weiterliest.

Durchgang 2: Verdient jeder Satz seinen Platz?

Geh Satz für Satz durch und frag: Was würde der Leser ohne diesen Satz verlieren? Streich Einleitungen, die ankündigen statt zu sagen („Ich wollte mich nur kurz melden, um dir mitzuteilen, dass …“), Sätze, die den vorigen mit anderen Worten wiederholen, und Abschwächungen, die eine Aussage verwässern, die du eigentlich so meinst.

In diesem Durchgang geht es auch um die Reihenfolge. Braucht der Leser eine Information, um einen Satz zu verstehen, muss sie vorher kommen.

Durchgang 3: Klingt es laut gelesen richtig?

Lies den Text laut vor oder beweg wenigstens die Lippen. Dein Ohr bemerkt, was dein Auge durchgehen lässt: einen Satz, der für einen Atemzug zu lang ist, drei Sätze hintereinander mit demselben Anfang, ein Wort, das du im Gespräch nie benutzen würdest. Wo du stolperst, stolpert auch dein Leser.

Durchgang 4: Rechtschreibung, Grammatik und Kleinigkeiten

Jetzt geht es um die Oberfläche, und dafür machst du den Text zuerst ungewohnt. Ändere Schriftart oder Schriftgröße, kopier ihn in ein anderes Fenster oder lies ihn auf dem Handy. Ein neues Layout durchbricht deine Erinnerung an das Geschriebene, und du siehst, was wirklich dasteht. Dann prüf:

Was eine Grammatikprüfung kann und was nicht

Eine Prüfung ist wie gemacht für den vierten Durchgang. Sie wird nicht müde, weiß nicht, was du gemeint hast, und schenkt dem letzten Satz dieselbe Aufmerksamkeit wie dem ersten. Genau das gelingt dir bei deinem eigenen Text nicht.

Die ersten drei Durchgänge kann sie dir nicht abnehmen. Sie sagt dir nicht, dass deine Bitte im dritten Absatz versteckt ist oder dass ein Satz nichts beiträgt. Übernimm also die Durchgänge für Inhalt und Lesefluss selbst und überlass ihr den letzten. Nebeneffekt: Du korrigierst die Rechtschreibung nur in Sätzen, die das Kürzen überlebt haben.

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